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In Willendorf in der Wachau wurde 1908 eine steinzeitliche Figur gefunden, die als Venus von Willendorf bekannt ist. Das Besondere an der 11 cm großen Statuette aus Stein ist die ausgeprägte Darstellung weiblich-mütterlicher Attribute, wie stark ausgeprägten Brüste, die überproportionale Darstellung von Bauch und Hüften mit dicken Oberschenkel mit besonderer Akzentuierung des Gesäßes und die Betonung des weiblichen Schoßes durch die übergroße Wiedergabe der Schamlippen. 

Die in Willendorf gefundene Venus ist ein Beispiel für eine Muttergöttin, die durch ihren üppigen Körper dargestellt wird, der Fruchtbarkeit und Sexualität anzeigt. Kleine Statuetten weiblicher Körper werden als Venusfigurinen bezeichnet. Sie wurden in ganz Europa gefunden. Die Mehrzahl der Figurinen ist zwischen 28.000 Jahren und 12.000 Jahren alt. 

Der Genrebegriff Venus wurde 1864 nach dem ersten Fund einer Frauenstatuette in der Laugerie Basse übernommen. Die Laugerie Basse ist eine bedeutende jungsteinzeitliche  Fundstätte auf dem Gebiet der französischen Gemeinde Les Eyzies im Tal des Flusses Vézère. Im Flussabschnitt des Vézères oberhalb der Mündung in die Dordogne liegen berühmte, vorgeschichtlichen Fundstätten. Seit 1979 gehören diese zum UNESCO-Kulturerbe Vézère-Tal im Südwesten Frankreichs.

Der Finder der ersten Venus, Marquis de Vibraye, ein französischer Amateur Archäologe, taufte sie wegen ihrer Nacktheit Venus impudique (franz. ‘schamlose Venus‘). Die Namensgebung spielt auf die Umschreibung vollständiger Nacktheit in der Ausdrucksweise des 19. Jahrhunderts an. Die acht Zentimeter hohe Figur der Venus impudique ist aus Elfenbein mit einer stark eingeschnittenen Vaginalöffnung. Die Entdeckung der Venus impudique gehörte zu den frühesten Entdeckungen paläolithischer Mobilitätskunst, den kleinen Beispielen prähistorischer Kunst, die von Ort zu Ort getragen werden konnten.

Bei der Benennung der Figur mit Venus impudique kehrte der Marquis de Vibraye die Bezeichnung Venus pudica („bescheidene Venus“) um, die zur Beschreibung eines Statuentyps der klassischen Venus verwendet wurde, der die Göttin häufig zeigt, wie sie versucht, ihre Brüste und ihren Schambereich vor dem Blick zu verbergen. Die Schlussfolgerung des Marquis de Vibraye war, dass, im Gegensatz zu den antiken Darstellungen der  Venus, die prähistorische Venus keinen Versuch unternahm, ihre Scham zu verbergen.

westtor der kirche von schwallenbach

Die Filialkirche hl. Sigismund von Schwallenbach gehörte zum Besitz des Klosters Niederaltaich, einer Benediktiner Abtei des hl. Mauritius und des hl. Nikolaus, die im Jahr 741 von Herzog Odilo von Bayern gegründet wurde. Seit Ende des 13. Jahrhunderts gab das Kloster Niederaltaich seine Herrschaft den Herzögen von Bayern zu Lehen, die sie 1504 an König Maximilian I. abtraten. 

Über dem abgebildeten schulterbogigen Westtor der Kirche befindet sich ein spitzbogiger Blendgiebel mit zwei reliefierten polychromierten Wappenreliefs mit Kette und Schloss des Seifridus Ricendorfer. Sie sollen auf die gegenseitige Abhängigkeit von Lehensherr und Lehensritter hinweisen.

Im Begriff des Lehens steckt das mittelhochdeutsche Wort lêhen, das in den Frühformen des Deutschen etwas Geliehenes bezeichnet. Als Terminus technicus bezeichnet das Lehen die Gesamtheit von Institutionen, die zwischen einem Freien – genannt Herr oder lateinisch senior – und einem anderen Freien – Mann oder Vasall genannt – wechselseitige Verbindungen regeln. 

Nach modernem Verständnis kommt durch das Lehen demnach ein Vertrag zustande, der die beteiligten Partner gegenseitig bindet. Die verwendeten Begriffe „Herr“  und „Mann“ signalisieren, dass das Verhältnis der Vertragspartner durch ein Ranggefälle geprägt war.  

Die Ursprünge des Lehnswesens reichen in das frühe Mittelalter zurück. Sie gründen in einer Kriegergesellschaft, die aus militärischen Gruppen mit Anführern und Gefolgsleuten zusammengesetzt war. Unter Gefolgschaft versteht man dabei eine Kriegergemeinschaft aus freien Männern unter der Führung eines Herrn. Man konnte in einen solchen Personenverband eintreten, indem man sich dem Herrn auf Lebenszeit zur Treue verpflichtete.

Teile der mittelalterlichen Gesellschaft sowie insbesondere das Heerwesen beruhten auf einer hierarchischen Struktur. Der König vergab Land an seine bedeutenden Gefolgsleute und erwartete dafür von ihnen militärische und politische Unterstützung. Die Fürsten taten dasselbe auf der Ebene darunter. Auch sie erwarteten Dienstleistungen von ihren Vasallen, vor allem die Ausrüstung und Bereitstellung von Militär.

In konsequenter Anwendung ergab sich so ein System wechselseitiger Beziehungen, das im Idealfall das gesamte Reich vom einzelnen Ritter bis hinauf zum König erfasste und zusammenhielt. Auf einem großen Hoftag im italienischen Roncaglia erließ Kaiser Friedrich I. Barbarossa im November 1158 ein detailliertes Gesetz über die Pflichten der Lehnsleute in seinem Reich. 

Quelle: 

Müller, Harald. Mittelalter (Akademie Studienbücher – Geschichte) (German Edition) (S.69). De Gruyter. Kindle-Version. 

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